6 Verben und Verbphrasen
(Datei 6/03)

6-5 Modalität der Verben

Unter Modalität der Verben (pagkakabago ng pandiwa) verstehen wir die Bedeutungswandlung von Verben, die durch Affigierung verursacht wird. Mit Hilfe der Modalität werden neue Verben gebildet, die ihre eigenen Flexionsparadigmen besitzen. Die wichtigsten Modalitäten der filipinischen Sprache sind:

 AktivPassiv

Tätigkeitmang- mag- -um- -an -in i- ipag- ipagpa- ipang- pang--an
Zustand, selbstablaufender Prozess
ma- mang- -um- ma--an
Fähigkeit {7A-301}
 maka- makapạg- makapang-ma- ma--an mai- mapạg- mapạg--an maipag- maipang-
Zufall, fehlende Absicht
maka- ma- mapa- ma--an mapag- mapag--an
Aufforderung, Bitte   maki- [paki- paki--an paki--in ipaki-]
Veranlassung, Auftrag, Erlaubnis
magpa- pa--an pa--in ipa- pag--in
Fähigkeit zur Veranlassung
makapạgpa- mapa- mapa--an maipa-
Teilnahmemaki- makipạg- makipạg--an mag--an
Richtungmagsa- isa-
Ursache.ika- ka--an
Hervorhebungmagkang- .
Anstrengungmag-um- magpaka-.
Besitzmagka- .


6-6 Flexion, Partizipien und Gerundien

(1) Die filipinischen Verben besitzen eine ausgeprägte Flexion (banghạy). Aktiv- und Passivverben füllen jeweils ein vollständiges Paradigma von vier Formen aus. Drei davon bezeichnen wir als Zeitformen Präteritum (Schlüssel {../N}, pangnagdaạn), Präsens (Schlüssel {../K}, kasalukuyan) und Futur (Schlüssel {../H}, panghinaharạp). An dieser Stelle lassen wir die Frage offen, ob dieses Paradigma Tempora oder Aspekte beschreibt {6-6.2.5 Θ}. Eine vierte Form wird traditionell als Infinitiv bezeichnet (Schlüssel {../W}, pawatạs). Der Infinitiv kann als vierte Zeitform des "Irgendwann, jederzeit" betrachtet werden und gehört somit in das Paradigma der Flexion.

(2) Eine eigenständige morphologische Form des Imperativs besitzt die filipinische Sprache nicht. In Imperativsätzen wird der Infinitiv verwendet. Weiterhin besitzt die filipinische Sprache keine morphologischen Formen, die die Funktion eines Konjunktivs o.ä. ausüben. Hypothetische Tatbestände werden mit Hilfe von Adverbien dargestellt (sakali ◊, sana ◊). Auch können Futurformen (kontemplativer Aspekt) dienen, um hypothetische Tatbestände darzustellen. Daher gibt es wenig Sinn, die Begriffe Modus (panagano), Indikativ (paturọl) und Konjunktiv (pasakali) einzuführen.

(3) Bei Aktivverben ist das Flexionsparadigma um verbale Substantive, die Gerundien, zu ergänzen. Wenn sie auch keine Zeitformen sind, sind sie doch Teile dieses Paradigmas {6-4.2.2 Θ}. Eine weitere Form, das Katatapos, kann in einer Wortfamilie nur einmal gebildet werden, gehört also nicht dem Flexionsparadigma an. Damit kommen wir zu folgender Übersicht der Flexionsformen der filipinischen Verben:

Flexions-
paradigma
Zeitformen
[Partizipien]
Infinitiv
Präteritum
Präsens
Futur
Gerundium

Katatapos

(4) Die filipinischen Verben besitzen keine Genus- und Numerusflexion. Zeitformen und Infinitiv zeigen bei der Flexion gleiches Verhalten. Daher sind die Begriffe 'finit' und 'infinit' nicht geeignet.


6-6.1 Die Flexionsparadigmen

Die Tempusflexion wird durch Affixe und Silbendoppelung realisiert, dabei gelten die gleichen Regeln für Aktiv- und Passivverben.

Wird ein Verb von einem bereits affigierten Wort abgeleitet, so gelten die Affixe der ersten Ableitung nicht als Verbaffixe (Beispiel: Bei magmakaawa |mag-makaawa| ist ma- kein Verbaffix, sondern wird als doppelungsfähiges Stammaffix betrachtet; die Futurform ist magmamakaawa).

Tabelle der Flexionsformen{6A-611}


6-6.1.1 Änderung der Affixe

Bezüglich der Affixe lauten die Regeln wie folgt:

  1. Die mit Laut m beginnenden Präfixe und Präfixkombinationen erhalten in Präteritum und Präsens n statt m.
  2. Auf Suffix -an endende und mit Präfix i- beginnende Verben erhalten in Präteritum und Präsens ein zusätzliches Affix -in-/ni-/na- (siehe 4.).
  3. Auf Suffix -in endene Verben erhalten in Präteritum und Präsens statt des Suffixes ein Affix -in-/ni-/na- (siehe 4.).
  4. Verwendung der Affixe -in-/ni-/na-{6A-6111}
  5. Bei Verben mit Infix -um- entfällt dieses im Futur.

Diese Regeln besitzen eine abnehmende Priorität und schließen sich in Affixkombinationen gegenseitig aus, so dass nur eine Regel mit höherer Priorität zur Anwendung kommt.


6-6.1.2 Silbendoppelung

Für die Silbendoppelung gelten folgende Regeln, wiederum mit abnehmender Priorität:

  1. In Präsens und Futur findet eine Silbendoppelung statt. Endet die zu doppelnde Silbe auf einen Konsonanten, so entfällt dieser in der gedoppelten Silbe.
  2. Die Präfixe kang, ka, ki, pa, sa sind in Affixkombinationen in der Regel doppelungsfähig (mit Ausnahmen bei pa). Bei ka findet sich etwa in der Hälfte der Fälle Doppelung der ersten Stammsilbe.
    Verben können ein nicht verbales Präfix paki- besitzen, weil sie eine zweite Ableitung von einem bereits abgeleiteten Stamm mit paki- sind {7-9.2 (2)}. In diesen Fällen wird ki und nicht pa gedoppelt (pinakikiramdamạn).
  3. Das Präfix pang kann gedoppelt werden, dann ist die Doppelung in der Regel papang, in Ausnahmefällen pangang. Häufig wird jedoch Doppelung der ersten Stammsilbe vorgezogen.
  4. Besitzt das Verb kein doppelungsfähiges Präfix, so wird die erste Silbe des Wortstammes gedoppelt. In einigen Fällen wird die erste Silbe des Wortstammes gedoppelt, auch wenn ein doppelungsfähiges Präfix vorhanden ist.
  5. Bezüglich der Silbendoppelung werden die mag-um- Verben behandelt als mag- Verben und das Infix -um- wird als Teil des Stammwortes betrachtet.
  6. Eine Besonderheit bilden die mit Präfix kang- gebildeten Verben. Sie haben mehrheitlich in allen Verbformen eine Doppelung der ersten Stammsilbe und erhalten in Präsens und Futur eine zweite Doppelung des Präfixes kang zu kakang.

6-6.1.3 Betonung

Für die Betonung gelten folgende Regeln:

  1. Ist die vorletzte Silbe des Wortstammes betont (das ist in der Regel die erste Silbe des Wortstammes), wandert die Betonung auf die letzte Silbe des Wortstammes, falls die Verbform ein Suffix besitzt. In Wortstamm und in der Verbform mit Suffix wird also die jeweils vorletzte Silbe betont.
  2. Ist die letzte Silbe des Wortstammes betont, wandert die Betonung auf das Suffix, falls die Verbform ein Suffix besitzt. In Wortstamm und in der Verbform mit Suffix wird also die jeweils letzte Silbe betont.
  3. Die erste der gedoppelten Silben erhält eine zusätzliche Betonung, wobei die vor der Silbendoppelung vorhandene Betonung unverändert bleibt. Verbformen mit Silbendoppelung haben also zwei betonte Silben.
  4. Mit betontem Präfix ma- (bzw. na) gebildete Verben haben abweichende Regeln:
    Die Betonung des Stammwortes wird neben dem betonten ma- beibehalten. Die Verbform hat also zwei betonte Silben, auch wenn keine Silbendoppelung vorliegt.
    Die gedoppelte Silbe wird nicht betont, so dass auch bei Silbendoppelung die Verbform zwei betonte Silben besitzt.
  5. Für die betonten Präfixkombinationen mapạg-, papạg- gelten sinngemäß die gleichen Regeln wie für das betonte Präfix ma-.
  6. Einige mag- Verben und viele mag--an Verben weichen von diesen Regeln ab.

6-6.2 Gebrauch der Zeitformen

Die Zeitformen werden zur Darstellung von Tempus und Aspekt verwendet. Um dies näher zu betrachten, haben wir ein Romankapitel und eine Kurzgeschichte untersucht {6A-621}. Die Ergebnisse werden in den nächsten Abschnitten verwendet. Eine Zusammenfassung zu Tempus und Aspekt findet sich in Abschnitt {6-6.2.5 Θ}.

Wir bezeichnen die Flexionsformen als Zeitformen, ohne entscheiden zu wollen, ob Verwendung als Tempus oder Aspekt vorliegt.


6-6.2.1 Gebrauch der Präteritumformen

Die Formen des Präteritum beschreiben Vorgänge, die in der Vergangenheit abgeschlossen sind [1] (Tempus Vergangenheit und perfektiver Aspekt). Ebenfalls wird das Präteritum verwendet, wenn Vorgänge in der Vergangenheit betrachtet werden, die nicht abgeschlossen sind [2-4] (Tempus Vergangenheit und imperfektiver Aspekt). Dies ist besonders dann der Fall, wenn ein temporales Adverb zusätzlich die Vergangenheit anzeigt [3 4b]. In Satz [5] wird eine Tätigkeit beschrieben, die sich in der Vergangenheit oft wiederholt hat; hier liegt die Betonung darauf, dass die Tätigkeit nicht mehr stattfindet (iterativer Aspekt in der Vergangenheit).

 
TempusAspekt

[1]Maingat akọng umakyạt sa hagdạn at pumasok sa silịd na imbakan ng mga panindạ. {W Nanyang 11.11} Vorsichtig kletterte ich die Treppe nach oben und betrat den Lagerraum für die Waren.Vergangenheit Perfektiv
[2]Pauntị-unt, nalaman ko ang mga bagay-bagay tungkọl sa babaeng nakaitịm. {W Nanyang 11.5} Nach und nach erfuhr ich Näheres über die Frau in Schwarz.Vergangenheit Imperfektiv
[3]Kaninang umaga nagutom ang aso; ngayọn pa siyạ nagugutom. Heute Morgen war der Hund hungrig, jetzt ist er noch hungrig.VergangenheitImperfektiv
[4][a] Naglar lang kamị nang madap akọ. [b] Kagabị naglar lang kamị nang madap akọ. (Gestern Abend) spielten wir, als ich hinfiel. (Vgl. {6-6.2.2 [5]}.) VergangenheitImperfektiv
[5]Kung bata pa akọ, araw-araw pumasok akọ sa paaralạn. Als ich noch Kind war, bin ich jeden Tag in die Schule gegangen. (Vgl. {6-6.2.2 [4]}.)Vergangenheit Iterativ


6-6.2.2 Gebrauch der Präsensformen

Die Formen des Präsens werden verwendet, wenn ein Vorgang jetzt stattfindet und noch nicht abgeschlossen ist [1]. Für Vorgänge, die in der Vergangenheit regelmäßig wiederholt wurden und in der Zukunft wiederholt werden sollen, werden ebenfalls die Präsensformen verwendet [2]. Ähnliches gilt, wenn die wiederholten Tätigkeiten nicht mehr stattfinden [3 4] Weiterhin können die Präsensformen verwendet werden, wenn Tätigkeiten im Rahmen einer Geschichte in der Vergangenheit liegen, aber damals noch nicht abgeschlossen sind [5 6]. In den Sätzen [7 8] zeigt die Form natutulog das Tempus Gegenwart an, während die Adverbien na und pa zusätzlich Aspekt realisieren.

 
TempusAspekt

[1]Kumakain akọ ng manggạ. Ich esse die Mango.Gegenwart Imperfektiv
[2]Araw-araw naliligo akọ. Jeden Tag bade ich. JederzeitIterativ
[3]Laging si Tan Sua ang nilalapitan ng babaeng nakaitịm tuwing bumibilị sa tindahan. {W Nanyang 11.2} Immer hat sich die Frau in Schwarz an Tan Sua gewandt, wenn sie etwas gekauft hat. {1A-631 Σ} VergangenheitIterativ
[4]Kung bata pa akọ, araw-araw pumapasok akọ sa paaralạn. Als ich noch Kind war, bin ich jeden Tag in die Schule gegangen. (Vgl. {6-6.2.1 [5]}.)Vergangenheit Iterativ
[5] Naglalar kamị nang madap akọ. Wir spielten, als ich hinfiel. (Vgl. {6-6.2.1 [4]}.)Vergangenheit Imperfektiv
[6]Nagkunwạ itọng tumitingịn-tingịn sa mga panindạ sa eskaparate. {W Nanyang 11.10} Sie vertiefte sich zum Schein in die Waren in der Glasvitrine. VergangenheitImperfektiv
[7]Natutulog na ang bata. Das Kind schläft schon. Das Kind ist schon eingeschlafen. GegenwartPerfektiv
[8]Natutulog pa ang bata. Das Kind schläft noch. Das Kind ist noch nicht aufgewacht. GegenwartImperfektiv


6-6.2.3 Gebrauch der Futurformen

Die Formen des Futur werden verwendet, wenn Vorgänge noch nicht stattgefunden haben [1 2] (Tempus Zukunft und kontemplativer Aspekt). Satz [3] besitzt ein "relatives" Tempus Zukunft in der Vergangenheit. In [4-6] wird die Futurform verwendet, um eine irreale bzw. beschränkt reale Aussage zu machen. Es ist möglich, eine Futurform statt des Infinitivs zu verwenden [2].

 
TempusAspekt

[1]Mauulit pa kay iyọn, Marco? {W Krus 2.5-5} Wird sich das vielleicht wiederholen, Marco?Zukunft Kontemplativ
[2]Huwạg na huwạg mong sasabihin kahit kanino ang bagay na 'tọ! {W Nanyang 11.8} Erzähle auf keinen Fall irgend jemandem diese Sache. (Mit Potenzialadverb huwag wird häufig Futur statt Infinitiv verwendet {9A-613}.) Zukunft Kontemplativ
[3]May mga sinasabing tila nang-aalo, saka ihahatịd palabạs ng tindahan ang babaeng nakaitịm. {W Nanyang 11.2} Wahrscheinlich sagten sie (jedesmal) etwas Freundliches, dann wurde die Frau in Schwarz aus dem Laden begleitet. Relative Zukunft
(in Vergangenheit)
Iterativ
[4]Sisilip sana akọ sa siwang ... {W Nanyang 11.11} Ich hätte gern durch den Türschlitz geschaut. (Hier macht das Adverb sana deutlich, dass die Aussage irreal ist.)Vergangenheit Irrealis
[5] ... pinakiramdamạn ko kung may maririnịg akọng tinig at kalabọg. Ich hatte das Gefühl, als ob ich eine Stimme und etwas fallen hören würde. {10A-411 Σ} (maririnig ist Partizip {10-4.1}.) VergangenheitBeschränkt real
[6]Sa unang tingịn ay makikitang isạ siyạng mestisang putị. Guwapa siyạ sa biglạng tingịn, pero kung titingnạng maigi, mapapansịn ang JederzeitBeschränkt real
 maninipịs na mga guhit sa noọ at sa dulo ng mga matạ, at mahihinuhang siyạ ay isạng babaeng nakaranas na ng mga unọs sa buhay. {W Nanyang 11.1} Auf den ersten Blick sieht man, dass sie ein hellhäutiger Mischling ist. Gut aussehend ist sie, aber wenn man sorgfältig betrachtet, kann man Falten auf der Stirn und in den Augenwinkeln sehen, und man kann folgern, dass sie eine Frau ist, die schon die Stürme des Lebens erfahren hat.


6-6.2.4 Gebrauch des Infinitivs

(1) Der Infinitiv wird verwendet, wenn der genaue Ablauf bezüglich Tempus oder Aspekt nicht wichtig ist. Er beschreibt dann eine allgemeine Zeit des "Irgendwann, jederzeit" [1-3].

 
TempusAspekt

[1][a] Mamumultahạn ang mga taong magtapon ng dumi sa tabị ng daạn. [b] ... taong nagtatapon ... Personen, die Abfall an den Straßenrand werfen (geworfen haben), werden bestraft. IrgendwannPerfektiv oder
Imperfektiv
[2][a] May isạng babaeng nakaitịm na madalạs bumilị ng bigạs sa tindahan. {W Nanyang 11.1} [b] ... madalạs bumibilị ... Es gibt (gab) eine Frau in Schwarz, die oft Reis im Laden kauft(e). JederzeitIterativ
[3][a] Kung hind ko maasahan ang aking mga kapit-bahay, sa aking mga kamag-anak akọ lalapit ... {W Äsop 3.4.3} [b] ... hindị ko naaasahan ... Wenn ich mich nicht auf meine Nachbarn verlassen kann, dann gehe ich zu meinen Verwandten.JederzeitIterativ

(2) Weitgehend ist die Verwendung des Infinitivs durch grammatische Regeln vorgegeben {*}; nur in wenigen Fällen hat der Sprecher semantisch eine Wahl.

{*} Damit unterscheidet sich der Infinitiv syntaktisch von den drei anderen Zeitformen. Morphologisch besteht kein prinzipieller Unterschied, da auch die anderen Zeitformen keine Person-Numerus-Flexion besitzen.

(3) Eine besondere Verwendung des Infinivs besteht, wenn eine Kombination von Adjektiv und Verb eine Fähigkeit, Gewohnheit oder Eigenschaft ausdrückt [9 13a]. Es wird keine tatsächliche Tätigkeit beschrieben. Häufig besitzen diese Gebilde keine Ligatur. Ohne dieses Adjektiv wird der Satz sinnleer [13a|b|c].

 
TempusAspekt

[4]Nakita kong maglar ang mga bata. Ich habe die Kinder spielen sehen.------
[5]Bayaan silạng gumạstos para sa kanilạng pangarap. {W Almario 2007 3.8} Lasst sie für ihren Traum bezahlen.------
[6]Gustọ niyạng matulog. Er möchte schlafen.Zukunft Kontemplativ
[7]Kailangang maligo araw-araw. Man soll täglich baden. JederzeitKontemplativ
[8]Muntịk na siyạng mauntọg sa pintuan. {W Nanyang 13.27} Beinahe hätte er sich am Türrahmen gestoßen. ------
[9]Marunong tumugtọg ng piyano at mahusay umawit [si Leonor]. {W Pag-ibig ng Rizal 3.6} Leonor konnte Klavier spielen und gut singen. (Die Verben im Infinitiv sind Attribute zu Adjektiven {9-3.3 (1)}.) JederzeitIterativ
[10]Buksạn mo ang pint. Öffne die Tür.Zukunft Kontemplativ
[11]Nang marinịg iyọn ng mga sisiw, dalị-dal silạng nagtungo sa kanilạng inạ. {W Aesop 3.4.5} Als die Küken das hörten, liefen sie schnell zu ihrer Mutter.------
[12]... lumilingọn siyạ nang kung ilạng beses para sulyapạn ang babaeng nakaitịm. {W Nanyang 11.3} Er blickt sich ein paar Mal um, um die Frau in Schwarz zärtlich anzublicken.Zukunft Kontemplativ
[13][a] Masarap magluto si Gina. Gina kocht gut. (masarap kann als adverbial verwendetes Adjektiv betrachtet werden, das Attribut zu magluto ist.) [b] Masarap si Gina. (Die Sätze [13b 13c] sind semantisch falsch bzw. sinnleer.) [c] Magluto si Gina. JederzeitIterativ


6-6.2.5 Θ Tempus und Aspekt

(1) Als Zusammenfassung der vorigen Abschnitte möchten wir abschließend betrachten, ob und wann die Zeitformen der Verben zur Beschreibung von Tempus oder Aspekt verwendet werden {6A-6251 }. Wir verwenden die folgenden Begriffe:

Zeit {*} Nakaraan - Kasalukuyan - Kinabukasan, panghinaharap
Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
ZeitformenAnyong pangnagdaan - Anyong kasalukuyan - Anyong panghinaharap - Pawatas
Präteritum - Präsens - Futur - Infinitiv
TempusPangnagdaan - Kasalukuyan - Panghinaharap - Kahit kailan, palagi
Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft - Irgendwann/Jederzeit
AspektPanganap - Di-panganap - Pang-ulit {**} - Mapagdili-dili
Perfektiv - Imperfektiv - Iterativ {**} - Kontemplativ

{*} Im bürgerlichen Leben.
{**} Iterativer Aspekt wird i. Allg. als Sonderform des Imperfektivs betrachtet.

(2) Aus den Tabellen der vorigen Abschnitte sind folgende Beziehungen ersichtlich.

(3) Trotz des prinzipiellen Unterschiedes der Betrachtungsweisen von Tempus und Aspekt ist festzustellen, dass in der übergroßen Zahl der Fälle kein Unterschied zwischen beiden besteht. Das ist dann der Fall, wenn Tätigkeiten in der Vergangenheit abgeschlossen wurden, wenn Tätigkeiten zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch andauern und wenn Tätigkeiten bis jetzt noch nicht begonnen wurden [1-3]. Nur dann besteht ein Unterschied, wenn ausgedrückt werden soll, dass ein Vorgang zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen oder noch nicht begonnen war [4 5]. Hinzu kommen die (wenig wahrscheinlichen) Fälle, dass genau im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Tätigkeit abgeschlossen oder begonnen wird [6 7]. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass für eine noch nicht begonnene Tätigkeit deren Andauern oder Abschluss dargestellt werden soll [8 9]. Häufiger kommen die Fälle [4 5 8 9] in zusammengesetzten Sätzen vor, bei denen der eine Teilsatz den Betrachtungszeitpunkt festlegt, und der andere eine Tätigkeit mit dazu relativem Aspekt darstellt.

Zeitpunkt bzw.TempusAspekt

Kein Unterschied zwischen Tempus und Aspekt
[1]VergangenheitPerfektiv
[2]GegenwartImperfektiv
[3]ZukunftKontemplativ
Unterschied zwischen Tempus und Aspekt
[4]VergangenheitImperfektiv
[5]VergangenheitKontemplativ
[6]GegenwartPerfektiv (Abschluss)
[7]GegenwartKontemplativ (Beginn)
[8]ZukunftImperfektiv
[9]ZukunftPerfektiv

(4) Diesen neun Tempus-Aspekt-Beziehungen stehen nur vier Zeitformen gegenüber, den Infinitiv eingerechnet. Zusätzlich müssen sich wiederholende und gewohnheitsmäßige Tätigkeiten (iterativer oder habituativer Aspekt) beschrieben werden. Wie die Beispiele in den vorigen Abschnitten zeigen, sind Mehrfachverwendungen unvermeidbar. Adverbien werden zu Hilfe genommen, um diese Ausdrücke getrennt vornehmen zu können. Temporale Adverbien können das Tempusgewicht verstärken und den Aspekt zurücktreten lassen, während die Adverbien na ◊ und pa ◊ Aspektfestlegungen ermöglichen (wir bezeichnen sie daher als aspektale Adverbien, vgl. na als 'perfective aspectual particle' bei { Kroeger 1991 p. 238}). Ein temporales Adverb kann die Verwendung der dem Tempus entsprechenden Form erzwingen. Nur in zusammengesetzten Sätzen mit mehreren Verben bestehen zusätzliche Möglichkeiten, Tempus und Aspekt getrennt darzustellen.

Eine zusätzliche Form in der filipinischen Sprache ist das Katatapos, das eine besondere perfektive Vergangenheit des "gerade eben Geschehenen" bezeichnet (und mit dem aspektalen Adverb na inkompatibel ist) {6-6.6}.

(5) In verblosen Sätzen ist eine Tempus- oder Aspektanzeige beim Verb ausgeschlossen. Gleiches gilt, wenn der flexionslose Wortstamm des Verbs statt einer Zeitform verwendet wird. Hinzu kommt, dass syntaktische Gründe die Verwendung des Infinitivs erfordern können, so dass auch hier eine Tempus- oder Aspektanzeige nicht vorgenommen werden kann.

(6) Die Darstellung von Tempus und Aspekt ist nicht auf Verben beschränkt (vgl. die aspektalen Adverbien na und pa {9-4.1.1}). Für Verben ziehen wir für die morphologischen Formen die Bezeichnungen der Zeitformen vor. Dabei ist jedoch im Auge zu behalten, dass sie vom Tempus abweichende Aspekte darstellen können.


6-6.3 Gebrauch des Wortstammes statt einer Zeitform

An Stelle der Zeitformen kann der Wortstamm ohne Affixe verwendet werden (Schlüssel {DT//X}, wenn ein Aktivverb ersetzt wird und {DB//X} für ein Passivverb {6A-631 Θ}). In der Schriftsprache ist der Gebrauch des Wortstammes statt einer Zeitform weitgehend auf -in Passivverben beschränkt [1 2]. In der Umgangssprache wird diese Verkürzung zum Wortstamm häufig vorgenommen, insbesondere in Imperativsätzen mit tayo [3]. mag- Verben werden in der Regel nicht verkürzt (Ausnahme [4]). Wortstämme können auch als Partizipien verwendet werden [5].

 
[1]mahalịn [a] Minamahạl kitạ. [b] Mahạl kitạ. Ich liebe dich.
[2]sabihin "Uuw na akọ", sabi ni Paola. "Ich gehe jetzt heim", sagt(e) Paola.
[3]maligo [a] Maligo na tayo. ☺     [b] Ligo na tayo. ☺ Lasst uns jetzt baden.
[4]maghati [a] Maghati tayo ng manggạ.     [b] Hati tayo ng manggạ. ☺ Lasst uns die Mango teilen.
[5]dalhịn Dahil laging may dalạng panukat si Tan Tiak ... {W Nanyang 13.6} Weil Tan Tiak stets ein Maßband bei sich trägt, ...

Siehe auch {6-4.2.1 Θ (4)}.


Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/filipino/sy_D_03.htm
22. November 2009 / 28. September 2018

Syntax der filipinischen Sprache
Ende 6 Verben und Verbphrasen (Datei 6/03)

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